Dein Leben ruft dich – hör hin!

Vgu1RUfKT3WN1ZYxSWaR_14672519443_13d8873062_k

Warum es wichtig ist, Weckrufe deines Lebens zu erkennen, und was sie dir sagen wollen

Warum passiert mir das immer? Muss das jetzt sein? Das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen – Kennst du auch solche Gedanken?

Oft ist mir selber erst im Rückblick klar geworden, warum bestimmte Dinge passiert sind oder wozu etwas überhaupt gut war.
Es gibt jedoch auch bestimmte Ereignisse oder Begebenheiten, die so intensiv und eindrücklich sind, dass sie die Kraft haben, Leben zu verändern.
Solche Ereignisse sind Wegweiser, die dich dazu auffordern, deinen bisherigen Kurs zu ändern. Es sind Weckrufe, die sagen:

So geht’s nicht weiter. Wach endlich auf, verdammt!

Man kann es vielleicht so sagen: das Leben selbst liefert dir Hinweise und versucht dich quasi zu deinem Wohl in die richtige Richtung zu lenken. Auch wenn es manchmal unangenehm oder schmerzhaft ist.

Wir alle kennen solche Weckrufe. Bei dem einen war es der Burnout, bei anderen eine schon lange andauernde chronische Unzufriedenheit. Auch Krankheiten können Weckrufe sein. Gerade Menschen, die eine schwierige Krankheit durchlebt haben, sprechen oftmals davon, was die Krankheit sie gelehrt hat.

Es müssen aber nicht immer dramatische Ereignisse sein. Auch Begegnungen mit besonderen Menschen oder Chancen, die sich scheinbar zufällig ergeben, können den Drang nach Veränderung auslösen. Es kann auch ein Buch sein, das du liest. Ein kurzer Satz, der etwas in Dir bewegt und du fühlst: Ja, genau. Das isses!

Du hast sicher auch erlebt, was passiert wenn Du diesen Ruf überhörst: Er verschwindet nicht! Er wird  nur stärker oder er wiederholt sich. Das ist z.B. der Fall, wenn du immer wieder mit ähnlichen Hindernissen konfrontiert wirst (Nein, nicht schon wieder ich!).

Also musst du nur richtig hinhören und dann deinen Kurs ändern. Richtig?

So einfach ist es dann aber doch nicht.

Ich selbst blieb jahrelang in einem Beruf, den ich nie richtig mochte. Daran hat auch der berufliche Erfolg nichts geändert. Noch soviel Anerkennung und gutes Geld konnten meine Unzufriedenheit nicht überdecken. Die Weckrufe waren da: länger werdende depressive  Verstimmungen und eine Erschöpfung, die bald zum Burnout werden würde.
Immer öfter hab ich gedacht: Mann, soll das ewig so weitergehen?

Dennoch bin ich auf dem gleichen Weg geblieben. Hab einfach so weiter gemacht.
Meine Sehnsucht, mich beruflich zu verändern und anders zu leben, habe ich einfach zugekleistert. Das ging  eine Zeitlang ganz gut mit Ablenkungen oder Belohnungskäufen.
Ich hörte sehr wohl die vielen Weckrufe, war aber nicht in der Lage, die entsprechende Veränderung einzuleiten.

Weckrufe zeigen uns also oft, dass etwas nicht stimmt und trotzdem machen wir meist weiter wie bisher.

Was hält uns dann davon ab, das Richtige zu tun – das, was gut für uns ist?

Augenscheinlich wissen wir ja oft, was das wäre.

Um dies herauszufinden, braucht es erst einmal den Mut, die Situation so zu sehen, wie sie wirklich ist. Und Ehrlichkeit dir selbst gegenüber bei der Beantwortung der  Frage: Was  hält mich wirklich ab, meinen Weg zu gehen?
Ist es die Gewohnheit? Ist es Angst vor Veränderung? Die Angst vor der Meinung anderer?  Angst vor dem Scheitern? Angst vor der  Ungewissheit, vor mangelnder Kontrolle?

Eines ist mir klar geworden:die Meinung unseres Umfeldes ist da nicht immer hilfreich. Verwandte und Freunde sehen es mitunter nicht gerne, wenn du dich veränderst oder gar einen ganz anderen Kurs einschlägst. Das könnte sie mit ihren eigenen unerfüllten Sehnsüchten konfrontieren. Oder du passt schlicht und einfach nicht mehr in die Schublade, in die du einsortiert wurdest.

Was jemanden letztendlich abhält, den ureigenen Herzensweg zu gehen, dass muss jeder für sich selbst herausfinden.
Oft sind wir aber so verstrickt in unseren Konditionen, Emotionen und Reaktionen, dass es hilfreich ist, erst einmal einen Schritt zurückzutreten.

Die ganze Situation mit Abstand zu  betrachten, Achtsamkeit entwickeln – das gelingt jedoch meist nicht von heute auf morgen, lässt sich aber entwickeln.
Yoga, Meditation und auch Zeiten in Stille sind gute Lehrer dafür.
Wenn du dich in deinem Körper zu Hause fühlst, dein Geist klar ist, dann bist du auch eher in der Lage, Entscheidungen zu treffen, die dir gut tun.

Ich selbst habe schließlich doch noch meinen Kurs geändert. Dieses Mal war eine Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen mein persönlicher Weckruf.
In einem Abendkurs lernte ich einen 55jährigen Journalisten kennengelernt, der als politischer Flüchtling in Deutschland lebte.
Er selbst war immer in allen Dingen ein Spätzünder gewesen. Nach und nach erzählte er mir seine ganze bewegende Lebensgeschichte. Immer wieder hatte er neu anfangen müssen, viel Leid und Grausamkeit erlebt. Und doch strahlte er eine unglaubliche Freude am Leben, Humor und Warmherzigkeit aus.

Mir wurde bewusst: Wenn es dieser Mann, trotz aller Widrigkeiten und in seinem Alter geschafft hat, neu anzufangen, dann gibt es für mich keine Entschuldigung mehr.

Ich habe dann meine Karriere an den Nagel gehängt, mich auf Teilzeit setzen lassen und mit 32 Jahren angefangen Germanistik zu studieren.

Alles war viel leichter, als ich vorher dachte.

Letztendlich habe ich meinen Kurs danach noch öfter korrigiert. Aber ich habe nie mehr so lange gebraucht, dem Weckruf zu folgen,  wie damals.

Welchen Hindernissen oder Herausforderungen begegnest du zurzeit  in deinem Leben? Sind es immer ähnliche Dinge?

Dann denke darüber nach, etwas zu verändern!Blume

Bildquelle: www.unsplash.com