Es war einmal ein kleiner Angsthase…

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Bild: rande24/pixabay.com

Schon ganz früh hatte man dem kleinen Hasen erzählt, was ihm in der bösen Welt alles widerfahren könne: ein Auto könne ihn überfahren, der Fuchs würde ihn holen und außerdem gäbe es da draußen andere Hasen, die es nicht gut mit ihm meinen.

Der kleine Hase gewann den Eindruck, dass die Welt außerhalb des eigenen Baus voller Gefahren sei, und so wurde er ein sehr furchtsamer und stiller Hase. Er begann neue Erfahrungen zu meiden, und am Abend ärgerte er sich darüber und schalt sich selbst einen Angsthasen. Er verglich sich andauernd mit all den anderen prächtigen Hasen da draußen, die viel Spaß hatten und wurde immer unzufriedener.

Erst als er schon ein großer Hase war, begann er sich Fragen zu stellen: Ist die Welt wirklich so? Bin ich wirklich so?
Ihm dämmerte, dass er auch in der Hasenschule niemals die wirklich wichtigen Dinge gelernt hatte…

Erkennst du dich wieder?

Willkommen im Club. Denn dieser Angsthase bin ich.
Ich war schon als Kind sehr ängstlich und introvertiert. Gelegentlich recht zornig, aber nach außen immer schön brav und ruhig. Eben so, wie es sich gehörte.
Ich hatte Angst vor Aktivitäten, bei denen man sich wehtun könnte, vor schlechten Noten, falschen Antworten und überhaupt vor den vielen üblen Schlechtigkeiten und bösen Überraschungen dieser Welt. Ich habe viel gegrübelt in meinem Zimmerchen und darüber nachgedacht, was andere über mich denken könnten.

Mit 25 Jahren hatte ich diese Art von Leben satt; und so begab ich mich auf den „Pfad des mutigen Angsthasen“.
Mit 30 war ich an dem Punkt, dass ich mich darüber ärgerte, in meiner Jugend nie ein aufsässiger Punk gewesen zu sein.
Soweit so gut-Punk wollte ich dann in dem Alter doch nicht mehr werden. Aber ich begriff, dass ich nicht so leben muss, wie es andere von mir erwarten.
Ich traf andere Menschen die auch auf ihrem Weg waren. Sie schienen mich so ganz anders wahr zunehmen, als ich mich selber sah. Da begann ich das Bild, das ich von mir selbst hatte, in Frage zu stellen.

Was ist Mut überhaupt? Bedeutet Mut, gar keine Angst zu haben?

Ich glaube nicht. Irgendwann verstand ich, dass ich immer Angst haben würde. Gleichzeitig wurde mir aber klar, dass ich bestimmte Dinge einfach trotzdem tun muss.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Sondern die Dinge trotzdem zu tun.

Angst überwinden

Damals kam es mir so vor, als wenn diese Erkenntnis ganz allein auf meinem Mist gewachsen wäre. Als hätte ich quasi das Ei des Kolumbus entdeckt. Das ist natürlich nicht so. Weise Menschen vor mir haben das schon viel früher herausgefunden.

Ab diesem Zeitpunkt trat ich endlich durch Tür meines eigenen Lebens und tat lauter (für mich) mutige Dinge, die ich unbedingt tun musste:

  • Ich beendete in aller Freundschaft meine eingeschlafene langjährige Beziehung.
  • Meinen gut dotierten Job habe ich auf Teilzeit gesetzt. Danach begann ich mit meinen 32 Jahren, zum Unverständnis einiger Mitmenschen, ein Studium.
  • Ich habe für 3 Monate in Kairo gelebt.
  • Im Sinai war ich nur mit einem Guide und dessen Kamel tagelang allein in der Wüste unterwegs.
  • Danach sagte ich endgültig Tschüss zu Karriere und Hamsterrad
  • Mit wenig Sack und Pack zog ich in eine Gemeinschaft, um dort zu leben und zu arbeiten.

In unserer Gesellschaft ist es nicht populär nonkonform zu leben. Individualität scheint sich schon in außergewöhnlicher Haartracht zu erschöpfen.
In dieser so lauten Welt ist es auch nicht angesehen, ein leiser, etwas vorsichtigerer Mensch zu sein. Wer nicht auf der Welle „schöner, weiter, mutiger, lauter, belastbarer“ mischwimmt ist schon ein Außenseiter oder zumindest irgendwie verdächtig.
Trotzdem möchte ich dich hier und jetzt ermutigen, deinen eigenen Weg zu gehen, auch wenn du manchmal Angst davor hast.

Lass dich nicht beirren von Menschen, die dir ungebeten gute Ratschläge erteilen.
Ich erinnere mich z. B. an ein Dame, die zu mir sagte: Solange man Ängste hat, kann man nicht spirituell wachsen. Bäm! !! Das saß.
Sie hatte sicherlich nicht ganz Unrecht, aber zu diesem Zeitpunkt rief das bei mir nur Widerstand hervor. Ich dachte so bei mir: Pahh, ich wachse aber trotzdem du doofe… Und wie ich wachse!

Jeder Mensch ist nun mal auf seiner seiner ganz eigenen Lebensreise unterwegs und erklimmt die Etappenziele in seinem Tempo. Vergiss das niemals.

Möchtest du in deinem Leben bestimmte Dinge umsetzen, aber deine Angst hält dich davon ab? Fühlst du dich oft geradezu ausgebremst von deiner Angst?
Dann möchte ich dir einige Strategien, die mir geholfen haben und auch immer noch helfen, mit auf den Weg geben.

BlumeWege, deiner Angst zu trotzen:

Wie sehr, willst du es wirklich?
Stell dir zuallererst diese Frage, wenn du Angst hast bestimmte Dinge anzugehen oder Veränderungen und Projekte umzusetzen.
Wenn dir bewusst wird, wie wichtig eine Sache für dich ist, wirst du auch den nötigen Mut entwickeln. Just do it!

Flucht nach vorn
Wenn eine Herausforderung ansteht, dann verschiebe diese nicht ewig auf später. Je länger du verschiebst, desto mehr wirst du zweifeln und dein Mut wir immer weniger. Deine Zweifel hingegen bekommen immer mehr Futter.

Lass dich inspirieren
Lies Biographien über mutige Menschen. Schaue Filme, die dich inspirieren und deinen Horizont erweitern. Vielleicht gibt es auch Menschen in deinem Umfeld, die dir Anregungen geben können.

Wie wirst du in 5 Jahren auf das Ereignis schauen?
Diese Frage hilft dir, einen anderen Blickwinkel einzunehmen und aus der Froschperspektive rauszukommen.

Umgib dich mit unterstützenden Menschen
Schaffe dir ein inspirierendes, unterstützendes Umfeld. Verabschiede dich von Menschen, die dich nicht so annehmen, wie du bist bzw. solchen, die dich an deiner Entwicklung hindern. Wirkliche Freunde möchten, dass es dir gut geht!

Es wird immer Löwen und Hasen geben. Das hat Mutter Natur so eingerichtet. Es ist also nicht nötig, ein Löwe zu werden. Sei einfach ein mutiger Hase.
Und noch etwas: Es gibt viele Menschen, die dich gerade deshalb mögen, weil du so bist, wie du bist:=)

Bildquelle: rande24/pixabay.com (oberes Bild), unsplash.com (kleines Bild)

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Artikel :)
    (Bild und Einleitung sind echt zuckersüß!)

    Spontan musste ich beim Lesen an zwei Bücher denken:
    1. Die Häschenschule ;)
    Hatte ich als Kind und werde ich demnächst meiner Nichte schenken. Danke für die Erinnerung!

    2. Der Pfad des friedvollen Kriegers.
    Hab ich vor Ewigkeiten gelesen und war total beeindruckt. Es gehört zu den wenigen Büchern, die ich nie weggeben würde.

    Lieben Gruß
    Linda

    • Danke für Dein nettes Feedback, liebe Linda :)

      Hihi, genau an die beiden Bücher habe ich beim Schreiben auch gedacht.

      Zum „Pfad des friedvollen Kriegers“ gibts übrigens auch einen Film, mit Nick Nolte. Auf youtube gab es ihn, vor einiger Zeit zumindest, in voller Länge.

      Herzliche Grüße
      Bettina

  2. Gerade die Menschen, die eigentlich ängstlich bzw. vorsichtig sind, setzen sich im Alltag mit viel mehr Dingen auseinander. Oft muss man/frau sich in Situationen „hineinwerfen“, die anderen Menschen leicht fallen. Das ist für mich Mut… Angst haben und es trotzdem wagen. Wenn Du zu diesen Menschen gehörst und dann mit ängstlichen Klienten arbeitest, hast Du zudem einen großen Vorteil; Du kannst Dich gut in die Lage dieser Person einfühlen.

    • Hallo liebe Schirin,

      Willkommen auf meinem Blog! Freut mich riesig, dass Du hier vorbei schaust: =)

      Ich denke auch, dass man sich besser einfühlen kann, wenn man bestimmte Dinge/Situationen aus eigener, gelebter Erfahrung kennt. Sensible Menschen nehmen viel wahr und auch viel auf von ihrer Umwelt. Das ist nicht immer einfach, aber andererseits auch eine große Gabe.

      Viele Grüße an Dich
      Bettina