Was ist Minimalismus: Warum weniger mehr sein kann

Minimalismus

Was geht in dir vor, wenn du das Wort Minimalismus hörst?

Sofort ploppen vermutlich vor deinem inneren Auge Bilder auf, die seit einiger Zeit durch die Medien gehen: Asketisch aussehende Menschen stehen in einer sparsam möblierten Altbauwohnung und schwärmen mit leuchtenden Augen vom Mehr des Wenigen.
Es scheint ein Paradox, dass ein  Mensch auch mit wenig Besitz, oder gerade deshalb, glücklich sein kann. Schließlich impfen uns die unvermeidliche Werbung und meist auch unsere Erziehung seit Ewigkeiten recht erfolgreich ein ganz anderes Bild ein. Und doch ist für viele Menschen diese Erfahrung so stark, dass inzwischen eine ganze Minimalismus-Bewegung entstanden ist.

Was ist Minimalismus überhaupt?Blume

Einfaches Leben, Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht.
Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen. (…) (Quelle: Wikipedia)

Erste Zweifel am gängigen konsumorientierten Weltbild kamen mir vor einigen Jahren. Trotz steigendem Einkommen und einer Anhäufung von materiellen Dingen stieg mein Glücksfaktor ganz und gar nicht an. Ich war weder zufriedener noch glücklicher durch mehr Besitz. Im Gegenteil: der ganze materielle Wohlstand war hart erkauft. Ich hatte zwar Geld und Dinge, aber keine Zeit.

Mein Gefühl der Fremdbestimmtheit wurde immer größer. Im Prinzip hatte ich mit Geld Dinge gekauft, die ich nicht wirklich brauchte, um Leute zu beeindrucken, die ich nicht mag.
Erst als die Weckrufe immer stärker wurden, habe ich kapiert, dass die wirklich wichtigen Dinge, nach denen ich mich sehnte, nicht zu kaufen sind. Das diese Dinge sogar überhaupt nicht im Außen zu finden sind.

Minimalismus konkret- meine persönliche Sicht

Für mich bedeutet Minimalismus ein einfaches, weitestgehend selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ich besitze viele Dinge nicht, die für andere Menschen wichtig sind: große Wohnung, Auto, Smartphone, teure technische Geräte jedweder Art.
Im meiner Wohnung gibt es nur wenige, einfache Möbel und erstaunlich wenige Schuhe für ein Frau. Viele  meiner Klamotten sind second hand. Auch Bücher, die ich nicht mehr benötige, werde ich heutzutage schneller wieder los. Irgendjemand freut sich immer drüber. Manchmal verkaufe ich sie auch.

Diese Veränderungen kamen immer mehr zu mir, als ich zum Leben und Arbeiten in eine Gemeinschaft gezogen bin. Ich hatte auf einmal viel weniger Geld, nur ein kleines Zimmer und war glücklich.

Es hat sich herausgestellt, dass ich viele Dinge überhaupt nicht brauchte und auch nicht vermisste. Diese Erkenntnis war eine riesige Befreiung.

Minimalismus heißt für mich andererseits nicht, dass ich unbedingt versuche so wenige Dinge, wie möglich zu besitzen
Und ja, du darfst mehr als 100 Dinge besitzen und kannst trotzdem ein einfaches Leben führen.

Ich frage mich vielmehr: Was benötige oder was möchte ich wirklich? Ist es wirklich meine eigene Entscheidung? Ist es ein Herzenswunsch oder etwas Notwendiges? Oder möchte ich etwas nur haben, damit ich mich besser fühle?

Wichtig ist für mich auch, wen oder was ich mit meinem Geld unterstütze.
Ich kaufe z. B. weitestgehend keine Lebensmittel, die diesen Namen nicht verdienen. Das ist meine Macht und auch deine, nämlich die Macht des Verbrauchers. Das, was der Verbraucher nachfragt, wird produziert. So einfach ist das.

BlumeWas brauchst DU wirklich für ein erfülltes Leben? Was ist dir wichtig?
Halte einen Moment inne und lasse die Antworten und Bilder in dir aufsteigen.

 

Welche Bereiche umfasst Minimalismus und was bringt dir das alles?

  • Wohnung, Dinge

Wenn du weniger besitzen möchtest, benötigst du weniger Geld. Das heißt, du musst auch weniger arbeiten, hast mehr Zeit. Überdies verschlingen eine große Wohnung und viele, viele Dinge auch Zeit. Du musst dich darum kümmern: verwalten, reparieren, säubern, verstauen etc. Ein Zuhause, das nicht so vollgestopft ist, fördert überdies einen ruhigen Geist und erhöht die Konzentrationsfähigkeit.

  • Kleidung

Kaufe weniger, dafür aber hochwertigere Kleidungsstücke. Dann hast du länger etwas davon.
Und auch hier kannst du mit deinem Geld bewusst hochwertige Produkte unterstützen: bio, fair Trade, ökologisch.
Alternativ gibt es viele Quellen, wo man gute secondhand Kleidung kaufen kann. Auch ist es nicht nötig, jedes Teil, an dem mal eine Naht aufgeplatzt ist, gleich zu entsorgen. Mit Nadel und Faden ist das schnell ausgebessert.

  • Essen

Einfaches, unverarbeitetes, biologisches Essen ist besser verdaulich und gesünder.
Bio-Qualität schont zwar nicht deinen Geldbeutel, aber -Hand aufs Herz- für welche Dinge gibst du sonst auch Geld aus, ohne mit der Wimper zu zucken? Und mal ehrlich: Möchtest du Pestizide und Antibiotika wirklich essen?
Wenn du ein sehr geringes Budget hast, kannst du auf Märkten einkaufen oder von Bauern aus deiner Umgebung. Manches ohne Bio-Siegel ist auch hochwertig.
Es ist so, dass Nahrung von guter Qualität einfach teuer ist. Das lässt sich nicht beschönigen.

  • Arbeiten

Fühlst du dich manchmal wie eine Maus in einem Hamsterrad?
Dann wäre vielleicht ein Teilzeitjob das Richtige für dich. Und zwar auch, wenn du unter 50 Jahre alt, kerngesund und unverheiratet bist und noch nicht mal Kinder hast ;=) Ja, du darfst das tun, einfach so für dich. Weil du mehr Zeit benötigst, um xyz zu tun. Oder auch, um einfach mal gar nichts zu tun.

Arbeite Teilzeit, lebe Vollzeit!

Natürlich hast du dann weniger Geld, kannst weniger kaufen. Ich sage das hier so klar, weil ich immer wieder hören musste: DU hast es gut. Ich würde ja auch, wenn ich könnte. Aber ich muss noch dies und das kaufen. Und dieses und jenes möchte ich auch noch machen…

Das ist natürlich etwas übertrieben von mir dargestellt. Dennoch setzt jeder selbst die Prioritäten. Und hinter dem „ich kann nicht“ versteckt sich oft „ich will eigentlich nicht“.
Natürlich gibt es auch Menschen, die jemanden pflegen, die Kinder versorgen oder einen Kredit abzahlen müssen. Da ist die Lage nicht so einfach und ein Urteil möchte ich mir darüber nicht anmaßen.

Zum Thema Arbeit gäbe es noch viel mehr zu sagen, zu fragen. Was und wie will ich eigentlich arbeiten? Ist Arbeit für mich nur Broterwerb oder auch Selbstverwirklichung?

  • Freizeit

Auch in der Freizeit kann weniger mehr sein. Brauchst du viel Action, damit du dich lebendig fühlst? Macht es dich nervös, wenn du am Wochenende keine Verabredung hast oder keine außergewöhnliche Aktivität geplant ist?
Stille und Zeit mit dir allein lässt dich oft besser regenerieren, regt die Kreativität an, lädt Batterien auf. Und kostet nichts. Besonders erholsam ist deine freie Zeit, wenn du auch etwas von den Medien fastest.

  • Geist

Wie steht es mit deinem Geist: Bist du im Hier und Jetzt?
Oder ziehen gerade vor deinem inneren Auge die Planung für eine neue Küche, den nächsten Urlaub und den anstehenden Elternabend gleichzeitig vorbei?
Liegst du abends oft wach, weil du grübelst oder dich Sorgen quälen? Dann ist es an der Zeit deinem Geist etwas Erholung zu gönnen, z.B. durch Meditation, Stille oder Fasten von den Medien.

Du hast jetzt einen Überblick bekommen, welche Themen Minimalismus umfassen kann. Das war jetzt meine subjektive Auswahl. Natürlich muß jeder selbst entscheiden, auf welchen Ebenen er minimalistisch lebt bzw. wie weit er da gehen möchte.

Falls dich das Thema Minimalismus jetzt gepackt hat, habe ich hier noch ein paar Links für dich zum weiteren Einlesen in die Thematik:

Und nicht vergessen: Als angehender  Minimalist darfst du auch weiterhin dein Leben genießen:=)

Wie siehst du das Thema Minimalismus? Strebst du auch ein einfaches Leben an? Oder hast du dein Leben schon vereinfacht?

Bildquelle: www.unsplash.com

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr informativer Artikel zum Thema Minimalismus, doch letztendlich muss man sagen, dass das defintiv nicht etwas für jeden ist. Man ist es einfach gewohnt im „Luxus“ zu leben und sein Geld für schöne Dinge auszugeben. Darauf wollen die meisten ganz sicher nicht verzichten.

    • Hallo Katja,
      Danke Dir für Deinen Kommentar.
      Ja, letztendlich muß jeder selber entscheiden, mit welchem Lebensstil es ihm gutgeht. Es muß ja auch nicht gleich ganz extrem werden ;-) Auch ich gebe Geld für schöne Dinge aus. Allerdings gezielter als früher. Wer viel ausgibt, muß in der Regel viel Geld verdienen. Und das hat auch oft seinen Preis. Da kann sich jeder selbst fragen, ob es ihm das wert ist. Da spielen so viele verschiedene Aspekte mit rein…

      Viele Grüße
      Bettina